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Train Sim World 3 im SimCheck: Dritter Ableger wirft schönes Licht

today15. September 2022 1

Hintergrund
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Vor wenigen Tagen kam der dritte Teil der Train Sim World-Reihe von Dovetail Games auf den Markt. Was ist neu? Lohnt sich der neue Ableger? Das erfährst du in diesem SimCheck.

Es gibt verschiedene Editionen, in denen Train Sim World 3 erhältlich ist. In der Standard Edition sind drei der vier Add-ons mit jeweils einer Strecke sowie Zügen enthalten. Hier kannst du die Schnellfahrstrecke Kassel – Würzburg, den US-amerikanischen Cajon Pass von Barstow nach San Bernardino und die englische Southeastern Highspeed-Strecke befahren. Die Deluxe Edition enthält zusätzlich eine Strecke zwischen Liverpool und Crewe, welche mit einer Dampflok befahren wird. Für jede der einzelnen Strecken gibt es ein Starter Pack, mit dem nur das jeweilige Add-on nutzbar ist. Alle Add-ons aus dem Vorgänger Train Sim World 2 sind übertragbar.

Üben und Testen im neuen Trainingszentrum

Im Hauptmenü angekommen, können wir zwischen „Zu den Zügen“, „Trainingszentrum“, dem „Creators Club“, dem Store und den Einstellungen auswählen. Zuerst beschäftigen wir uns mit dem Trainingszentrum: Dies Trainingszentrum ist ein großes Gebiet mit mehreren Ringen, auf denen Züge getestet werden können. Als Vorbild hierfür wurde das Prüfcenter Wegberg-Wildenrath bei Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gewählt, in dem Eisenbahnen für Erstinbetriebnahmen, Prüfungen oder Reparaturen getestet werden. Dovetail Games habe sich laut eigenen Aussagen nicht nur für die Einführung dieser neuen Teststrecke entschieden, um das Erklären der Spielmechaniken und eigenen Züge zu zentralisieren, sondern auch, um unabhängig von Fahrplan- und Szenarienmissionen mit den Eisenbahnen Spaß zu haben, die neuen Features, wie das Wetter- und Lichtsystem auszuprobieren und von dem vergleichsweise realistischen Setting befreit zu sein.

Wir haben im Trainingszentrum die Möglichkeit, uns alles erklären zu lassen. Und „alles“ ist in diesem Fall wörtlich zu verstehen – in der ersten Lektion „Navigation & Interaktion“ wird sogar gründlich erklärt, dass das Umsehen mithilfe der Maus und das Bewegen mit den WASD-Tasten funktioniert. Wer das aber schon weiß, kann auch direkt mit einem der späteren Lernmodulen beginnen. In den Grundlagen, welche an der British Rail Class 66 TTC gelernt werden, gibt es vier Lernmodule á circa fünf Minuten. Anschließend folgt Training: Hier kann zwischen allen verfügbaren Zügen ausgewählt werden. Für jeden Zug gibt es mindestens eine Trainingsmission, die jede einzelne Baureihe erklärt.

Unterwegs auf der Strecke

Wie auch schon im Vorgänger können Zugdienste nach Fahrplan gespielt werden, in welchen die Züge ohne besondere Vorkommnisse von A nach B befördert werden. Des Weiteren gibt es für die verschiedenen Züge unterschiedliche Szenarien; so muss beispielsweise der schwere Güterzug im Cajon Pass bei Starkregen aufgrund eines Erdrutsches eine Alternativroute nehmen, ein einzelner ICE 1-Triebkopf von Fulda nach Kassel überführt oder ein verspäteter Zug übernommen werden. Durch diese verschiedenen Settings bieten die Szenarien stets ein wenig Abwechslung, unterschiedliche Längen und Schwierigkeitsgrade von 1 (leicht) nach 5 (schwierig). Diese verschiedenen Stufen beinhalten unter anderem Wetterverhältnisse und die Komplexität der Aufgaben.

Es gibt während eines laufenden Szenarios leider keine Möglichkeit mehr, den Spielstand zu speichern. Dovetail Games sei mit der bisherigen Methode nicht zufrieden gewesen und habe die Funktion deaktiviert, bis sie verbessert wurde. Zum einen kannst du ein Szenario nicht beginnen, speichern und zu einem späteren Zeitpunkt beenden, des Weiteren ist es durchaus frustrierend, wenn man bereits fast eine Stunde mit 100 km/h durch die Nacht fährt, aus Versehen ein Halt zeigendes Signal überfährt und von vorn anfangen muss. Abgesehen davon gefallen mir die langen Szenarien sehr gut. Die kürzeren Szenarien, beispielsweise eine Zugbereitstellung, treffen nicht so recht meinen Geschmack; ich bin lieber längere Zeit am Stück unterwegs.

Im Triebfahrzeug

Auch die Steuerung hat sich im Vergleich zum Vorgänger kaum verändert; viele der Bedienelemente in den Führerständen der Züge sind mit der Maus bedienbar, was ermöglicht, die Züge vollständig mit der Maus zu steuern. Aber auch auf der Tastatur sind alle wichtigen Funktionen vertreten. Mir persönlich hat das vor allem in den britischen und amerikanischen Zügen geholfen, wo ich mich im Führerstand nicht auf Anhieb zurechtgefunden habe.

Sifa, PZB und LZB sind standardmäßig ausgeschaltet und können jeweils optional eingeschaltet werden, um den Realismus und die Schwierigkeit der Fahrten individuell anpassen zu können.

Das neue Licht- und Wettersystem wertet Train Sim World 3 nicht nur grafisch auf, sondern wirkt sich auch auf das Fahrverhalten der Züge und die Strecken aus. Bei Regen und Schnee verlängert sich der Bremsweg und zu schnelles Beschleunigen sorgt dafür, dass das Tacho die Geschwindigkeit nicht richtig anzeigt. Auch der dynamische Wind kann als Rücken- oder Gegenwind das Anfahren erleichtern oder erschweren.

Grafik- und Sounddesign

Die Grafik in Train Sim World 3 zeichnet sich in erster Linie durch das neue Licht- und Wettersystem aus, welche das Spielerlebnis realistischer machen. Lukas Klimczyk von Dovetail Games hat uns in unserem Interview erzählt, dass an diesem System fast ein Jahr gearbeitet worden sei, um es zu optimieren. Ich spiele das Spiel auf hohen Grafikeinstellungen und finde es allgemein sehr ansehnlich. Das neue Lichtsystem wertet das Spiel und den Realismus auch durchaus auf. Gerade auf der Schnellfahrstrecke, welche Kassel und Würzburg verbindet, kommt die neue Augenadaption dank einer großen Anzahl an Tunnel ordentlich zum Vorschein. Wenngleich es dabei auch zu einigen Bugs kommt.

Ist man aktuell noch in einem Tunnel, wodurch es zu einem starken Leuchten am Ausgang kommt, und der nächste Tunnel unmittelbar darauf folgt, erscheint dieser wie ein schwarzes Loch (Bild). Außerdem ist der Adaptionseffekt für meinen Geschmack etwas zu lang. Hierbei hat man sich wohl eher an einer Kamera orientiert als einem menschlichen Auge. Trotzdem wirkt das Ganze wie eine echte Verbesserung und macht das Spielerlebnis immersiver.

Seit dem offiziellen Release läuft das Spiel bei mir durchgehend flüssig mit ungefähr 60 FPS, jedoch gibt es zwischendurch kurze Ruckler. Ein negativer Punkt an der Grafik des Zugsimulators ist jedoch die Renderdistanz. Trotz höchster Einstellung erscheinen Schatten und einzelne Props teilweise erst in geringer Distanz vor dem eigenen Zug, was ziemlich störend ist.

Auch die Geräuschkulisse in Train Sim World 3 ist durchaus realistisch gestaltet. Im Hintergrund sind bei gutem Wetter zwitschernde Vögel verschiedener Arten zu hören. Zugegebenermaßen kann ich nicht beurteilen, wie realistisch die nicht-deutschen Züge klingen, aber die Sounds der deutschen Züge sind, gemessen an meinen Erfahrungen, auch extrem realistisch. Der Regen, der auf den eigenen Führerstand prasselt, sorgt für eine schöne Atmosphäre und als ich das erste Mal im Spiel ein Gewitter gehört habe, musste ich tatsächlich kurzzeitig meine Kopfhörer abnehmen, weil ich dachte, es hätte in der Realität gedonnert. Sogar ein Windrad, das auf der Strecke Kassel – Würzburg passiert wird, macht bei der Vorbeifahrt dumpfe Geräusche.

Mein Fazit zu Train Sim World 3

Nach mehr als 25 Stunden Spielzeit kann ich als Fazit sagen, dass Train Sim World 3 ein entspannendes, aber dennoch teilweise Konzentration und Skill forderndes Spiel ist, was durchaus Spaß macht. Es gibt Szenarien, die Abwechslung bieten, sowie Fahrplanfahrten, welche durch ihre hohe Anzahl ein Durchspielen zu 100 % schier unmöglich werden lassen. Ich persönlich, das ist selbstverständlich reine Geschmackssache, finde die deutschen Züge und Strecken am interessantesten und ich hätte mir eine deutsche Nahverkehrsstrecke im Basisspiel gewünscht. Es ist aber auch logisch, dass eine Strecke einiges an Zeit benötigt. Auch an neuen Zügen sieht es recht mau aus – der ICE 1 (BR 401) ist der einzige neue Zug.

TSW 3 ist grafisch und soundtechnisch schön designt und bietet neben den alltäglichen Lokführertätigkeiten kleine Gimmicks, wie zum Beispiel unterschiedliche Collectibles in den freien Welten.

Zum Abschluss möchten wir noch einmal auf das Interview mit Lukas von Dovetail Games verweisen.

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Geschrieben von: Jannis Petersmann

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